Blickwinkel ändern

Warum die äußeren Umstände nicht Schuld daran sind, dass Sie keinen Stress abbauen

Das, was um uns herum passiert und wir durch unsere Sinne wahrnehmen, entspricht nicht, wie viele vermuten, der Realität, sondern lediglich einer Interpretation der Realität. Um das zu verdeutlichen, braucht man nur verschiedene Zeugenberichte eines Autounfalls zu betrachten. Während der eine beschreibt, wie stark zerbeult die Autos waren, wie stark die Opfer bluteten und wie viel Qualm in die Luft stieg, berichtet der andere viel mehr vom lauten Knall und den alles übertönenden Sirenen. Die Realität entspricht in diesem Fall weder der Erzählung des ersten noch der des Zweiten Zeugens. Sie haben lediglich ihre subjektive Wahrnehmung geteilt, die jeder andere Zeuge wiederum anders sehen könnte. Es könnte ja schließlich sein, dass dem zweiten Zeugen die Sirenen und der Knall nur deshalb so laut erschienen, weil er ein sehr empfindliches Gehör hat. Somit hätte sein Gehirn die Realität anders interpretiert, als sie wirklich ist. Niemand kann letztendlich sagen, wie die Realität wirklich ist.

„Die Realität ist nur eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige.“ – Albert Einstein

Doch was hilft uns dieses Wissen beim Stressabbau?

In unserem Alltag passieren oft Dinge, auf die wir schnell genervt reagieren. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das:
Sie stehen nach einem harten Arbeitstag in der ewig langen Schlange der Supermarkt-Kasse. Die Kassiererin begrüßt Sie nicht einmal und redet höchst unfreundlich und genervt mit Ihnen. Sie stempeln sie daraufhin als unsympathisch ab und als Reaktion darauf verhalten Sie sich auch in Zukunft unsympathisch ihr gegenüber. Doch eines Tages erfahren Sie von einem Freund, der diese Kassiererin kennt, dass an jenem Tag ihre Mutter verstorben ist und ihr Bruder ins Krankenhaus musste. Auf einen Schlag sehen Sie die ganze Geschichte anders.

Es ist daher enorm wichtig, dass man sich in solchen Situationen immer überlegt, warum sich eine bestimmte Person unfreundlich Ihnen gegenüber verhalten könnte. Sie sollten also nicht pauschal davon ausgehen, dass manche Menschen von Natur aus ein wahrer Unsympath sind. Dies mag zwar auf manche Menschen zustimmen, doch das bewirkt lediglich, dass Sie sich noch gestresster und genervter fühlen. Das kann sogar dann zur Folge haben, dass Sie sich anderen gegenüber unfreundlich verhalten, ohne es zu merken.

Übung
Schauen Sie sich einmal die folgenden Situationen an. Überlegen Sie dann, wie Sie diese Situation negativ, neutral und positiv betrachten könnten. Denken Sie darüber nach, wie jemand denken müsste, der in einer solchen Situation mit wenig Stress reagiert.

1. Situation

Ihr Chef sagt Ihnen, dass er Sie am nächsten Tag sprechen möchte. Beim Gespräch teilt er Ihnen mit, dass er leider einen Mitarbeiter aus finanziellen Gründen entlassen muss. Dabei sei die Entscheidung auf Sie gefallen.

2. Situation

Sie freuen Sich schon den ganzen Tag darauf, dass Sie nach Feierabend endlich mit Ihren Freunden ins Kino gehen. Doch kurz davor kommt Ihr Chef auf Sie zu und bittet Sie, noch weitere Aufgaben zu erledigen, die unbedingt an diesem Tag fertig werden müssen.

3. Situation

Sie sitzen nach einem harten Arbeitstag in der U-Bahn. Doch um Sie herum sind andauernd einige Kinder, die spielen und an den Stangen turnen. Dabei sind sie sehr laut. Die Mutter ist dabei, sagt ihren Kindern aber nicht, dass sie damit aufhören sollen, sondern freut sich, dass sie so aktiv sind.

Es ist absolut menschlich, wenn man in solchen Situationen genervt oder verzweifelt reagiert. Doch man kann seine Sichtweise auf solche Situationen auf Dauer viel stärker verändern als die meisten Menschen denken würden. Wenn ich persönlich auf eine vergleichbare Situation stoße, sehe ich das als Möglichkeit und Potential, meine Einstellung zu trainieren. Jedes Mal, wenn Sie in einer solchen Situation gelassen reagieren, trainieren Sie Ihren Kopf, auch in Zukunft gelassen zu reagieren.